Donnerstag, 11. Januar 2018

Kalte Angst | Arno Strobel | Rezension

Heute erscheint KALTE ANGST, der neue Thriller von Arno Strobel und somit der zweite Band der „Im Kopf des Mörders“-Trilogie rund um den jungen Oberkommissar Max Bischoff.

Nach den Ereignissen aus Band 1 ist der bisher eher aalglatte Max schwer gezeichnet. Es fällt ihm ganz und gar nicht leicht, die Geschehnisse zu verarbeiten. Immer wieder spielen sich die grausamen Bilder seines letzten und gleichzeitig ersten Falls als Oberkommissar in Düsseldorf vor seinem inneren Auge ab, Albträume quälen ihn und rauben ihm den Schlaf. Der Griff zu Medikamenten in Kombination mit dem einen oder anderen Glas Gin Tonic ist längst zur notwendigen Gewohnheit geworden.


Schnell reizbar und ziemlich unkonzentriert kehrt er in seinen Arbeitsalltag zurück und wird direkt mit einem neuen Fall konfrontiert. Ein Unbekannter dringt nachts in Häuser ein, überwältigt seine Opfer und tötet sie bestialisch – bis auf eines. Jeweils ein Opfer wird verschont, muss die grausame Tat mitansehen und soll „den Anderen“ davon erzählen. Wer sind „die Anderen“? Welche Beweggründe hat der Mörder? Und was hat es mit dem bizarren Fliegenmann zu tun?

Max Bischoff und sein Partner Horst Böhmer sind ratlos. Als sich der Leiter der Klinik für Forensische Psychatrie bei ihnen meldet und angibt, brisante Informationen zum aktuellen Fall zu haben, wittern sie eine erste richtige Spur. In der Klinik angekommen, treffen sie auf einen Patienten, der die Taten des Fliegenmanns anscheinend genau voraussagt. Haben es die Kommissare hier mit einer Finte zu tun oder ist der verurteilte Mörder tatsächlich Teil der aktuellen Mordserie? Damit er weitere Informationen über das nächste potenzielle Opfer preisgibt, stellt der Patient Forderungen, die Max und seinen Partner an ihre Grenzen bringen.

Ich war unheimlich gespannt auf Strobels neuesten Thriller, zumal mich der erste Band dieser Thriller-Reihe nicht gänzlich überzeugen konnte. Während in einem Krimi für mich die Ermittlungsarbeit im Fokus steht, erwarte ich von einem Thriller, dass die Charaktere näher beleuchtet werden, insbesondere in den Psychothrillern von Arno Strobel. Ich wünsche mir psychologische Hochspannung, die durch Mark und Bein geht, fiese Psychospielchen, die mir die Haare zu Berge stehen lassen und authentische, glaubhafte Charaktere, in deren Gefühle und Gedanken ich eintauchen kann. Im ersten Band „Tiefe Narbe“ war mir Oberkommissar Max Bischoff viel zu weich, zu aalglatt und zu perfekt. Zwar gefiel mir die Konstellation Horst Böhmer & Max Bischoff, doch auch die anfänglichen kleinen Reibereien zwischen dem erfahrenen Ermittler und dem neuen, studierten Oberkommissar lieferten nicht genügend Zündstoff. Nach den Ereignissen aus Band 1 hoffte ich nun also, dass sich Max ein paar Ecken und Kanten zugezogen hat. Tatsächlich wurde ich nicht enttäuscht.

Der Autor gab mir ausreichend Zeit und Möglichkeiten, den „neuen“ Max zu beobachten. Ich freute mich ungemein, dass er an der Situation zu knabbern hatte und für mich nun endlich interessant wurde. Die äußere Schale, die bisher durch seine Perfektion geschützt wurde, bekam deutliche Risse und ermöglichte mir tiefere Einblicke. Weitere Sympathiepunkte konnte er aufgrund des schönen Verhältnisses zu seiner Schwester sammeln. Ich mag es, wenn Geschwister sich so nahe stehen und finde es immer toll, wenn die Verbindung zwischen Geschwistern in Geschichten thematisiert wird.

Von Horst Böhmer war ich bereits seit dem ersten Band ein kleiner Fan. Nicht, weil er unbedingt ein Sympathieträger ist, sondern weil seine grummelige Art glaubhaft rüberkam. Ich sah ihn direkt vor mir und konnte mir sehr gut vorstellen, wie genervt er von dem Neuen und dessen Profiler-Klugscheißerei war. Auch in KALTE ANGST gibt es ein Wiedersehen mit Böhmer. Er hat es überhaupt nicht leicht. Zum Einen tritt er im neuen Fall auf der Stelle und muss hilflos mitansehen, wie der Täter neue Opfer findet und zum Anderen bereitet ihm sein Kollege Kopfschmerzen. Kann er sich noch auf Max verlassen oder scheint er an den vorhergegangenen Ereignissen zu zerbrechen? Sowohl die Annäherung der beiden, als auch ein angedeutetes süßes Geheimnis machten Böhmer für mich sehr menschlich. Ich freue mich darauf, im dritten Band mehr von ihm zu lesen, auch wenn er lediglich eine wichtige Nebenrolle spielt.

Die Trilogie „Im Kopf des Mörders“ trägt natürlich nicht umsonst diesen Namen. Wie bereits im ersten Band erhielt ich Einblicke in die Taten des Mörders, wobei – anders als im ersten Teil – nicht aus der Perspektive des Täters, sondern diesmal aus der der Opfer. Ohne mir eine Hand vor die Augen halten zu können, sah ich zu, wie der Täter bestialische Morde beging – Achtung! Einige Szenen sind nichts für schwache Nerven! Ich persönlich mag es lieber weniger brutal und blutig. Zum Schluss hin lernte ich den Mörder mit der bizarren Verkleidung schließlich doch etwas näher kennen und erfuhr etwas über seine Beweggründe. Obwohl der Showdown samt Auflösung recht unspektakulär, jedoch mit ziemlich erschreckenden Einblicken in die menschliche Psyche, daherkommt, ließen mich die letzten Worte doch mit einer Gänsehaut zurück. Eine wunderbare Überleitung zum dritten und letzten Band der „Im Kopf des Mörders“-Trilogie.

Also, nach wie vor bin ich kein riesiger Fan dieser Ermittlerreihe (ich bevorzuge die vorherigen Psychothriller des Autors), trotzdem konnte mir KALTE ANGST einige spannende und teils unheimliche Lesestunden bescheren. Meines Erachtens ist der zweite Band eine deutliche Steigerung zum ersten, was mich auf ein großes Trilogie-Finale hoffen lässt.

W E I T E R F Ü H R E N D E   I N F O S

Taschenbuch | 368 Seiten | erschienen in den Fischer Verlag im Januar 2018 | ISBN 978-3-596-29617-0 | HIER findet ihr mehr über Arno Strobel bei Ankas Geblubber

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