Montag, 22. Februar 2016

Namibia Diary #01 | Abreise, erste Zweifel & der Marsianer über den Wolken


Das erste Mal so richtig gespürt, dass ich in Namibia angekommen war, habe ich, als ich in einem kleinen Bus, irgendwo im Nirgendwo, zwischen Windhoek und Okutala, nach einem kurzen Nickerchen aufwachte und plötzlich auf Englisch dachte. Ich schaute nach draußen, sah ein mir bis dato völlig fremdes Land an mir vorbeiziehen und wusste: ich war da. Mein Abenteuer Namibia hatte begonnen, es wartete auf der anderen Seite des Fensters auf mich. Doch fangen wir am besten ganz von vorne an, denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon eine lange Reise hinter mir...


Am Mittwoch, den 13.01.2016 war es nun also soweit. Schon seit dem Vorabend saß ich auf gepackten Koffern und kochte jetzt, um 12:30 Uhr, wie mein Opa stets vor einer großen Reise zu sagen pflegt, meine Henkersmahlzeit. Dass in wenigen Stunden das bisher größte Abenteuer meines Lebens beginnen würde, konnte ich in diesem Moment noch nicht so wirklich glauben. Mein Flieger würde erst am Abend Deutschland verlassen, sodass mir noch jede Menge Zeit blieb, um mit meinen Gedanken der Air Namibia vorauszueilen. In meinen Gedanken war ich bereits vor Ort und malte mir die mir bevorstehenden zwei Wochen in den buntesten Farben aus. Kurz bevor mich mein Bruder um 15:00 Uhr abholte, schlug die Aufregung doch noch in etwas anderes um. Dass das Thema Namibia für mich mit vielen Emotionen verbunden ist, daraus habe ich in meinen Videos und Blogbeiträgen vor der Abreise kein großes Geheimnis gemacht. Ich erinnere mich noch genau an den Moment im Mai 2015, in dem ich mich für einen ganz besonderen Videodreh vor die Kamera setzte. Für dieses spezielle Video hatte ich mir sogar eine neue Dreh-Location gesucht, vielleicht spürte ich schon da, dass nach den Worten, die ich in diesem knapp 10-minütigen Video erstmalig laut aussprach, nichts mehr so sein würde wie es mal war.

Mein Traum. Afrika. Namibia. Wildlife
Ich erzählte euch von meinem Traum: Afrika. Namibia. Wildlife. Diese Begriffe fielen. Nachdem ich 2010 das erste Mal in Südafrika war, hatte mich der Kontinent nicht mehr losgelassen. Durch Zufall stieß ich irgendwann auf die TV-Produktion "Harnas - Das Waisenhaus für Wildtiere", die in Namibia aufgezeichnet wird. "Eine Farm in Namibia. Hier finden verletzte und verwaiste Wildtiere Zuflucht. Sie werden rund um die Uhr betreut, von Tierärzten, Pflegern und von Volontären aus aller Welt, die hier das wilde Afrika erleben können." - so heißt es im Intro. Wie in der von Montag bis Freitag in der ARD ausgestrahlten Nachmittagsserie mit afrikanischen Wildtieren gearbeitet wurde, hat mich sofort beeindruckt. Insbesondere die Erlebnisse der Volontäre haben mich neidvoll zuschauen lassen. "Sowas ist nichts für dich, Anka. Das traust du dich eh nicht. Allein nach Afrika? Und dann mit haufenweise fremden Menschen auf engstem Raum leben? Du? In deinem Alter? Ohne Internet? Ohne Make-up? Ganz allein? Niemals!" - so in etwa waren die Gedanken damals durch meinen Kopf gesprudelt. Erst 2015 ging ein Ruck durch mich hindurch. Das Thema Afrika hatte mich immernoch nicht losgelassen und ich stellte mir die Frage: Warum eigentlich nicht? Warum nicht aus einem Traum Realität werden lassen? In meinem Video "Lebe deinen Traum - mein Herzensprojekt 2016" sprach ich erstmalig ebendiese Gedanken aus und starrte mich im Anschluss selbst ein bisschen fassungslos, aber unendlich stolz, auf dem Bildschirm an. Das war ICH, Anka, und ich würde mir 2016 meinen großen Traum erfüllen. Wie es dann für mich weiterging und ich schlussendlich tatsächlich meinen Flug nach Namibia buchte, das könnt ihr in diesem Blogbeitrag lesen.

Es geht los
Wir springen zurück zu dem Moment, in dem ich, kurz vor 15:00 Uhr am 13.01.2016 auf meinem Bett saß und realisierte, dass es jetzt wirklich losging. Mein Abenteuer Namibia war in greifbare Nähe gerückt. Bevor mich die Emotionen komplett überwältigen konnten, schnappte ich mir meinen Koffer und stieg zu meinem Bruder ins Auto. Unbarmherzig trommelten dicke Regentropfen auf die Windschutzscheibe ein, als wir nach 2 1/2 stündiger Fahrt von der Autobahn abfuhren und den Frankfurter Flughafen erreichten. Es war bereits dunkel und ich wusste, wenn morgen die Sonne aufgeht, dann bin ich in Afrika.

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Die Nadel im Heuhafen und der Nacktscanner
Der Check-In verlief beinahe reibungslos. Meinen Platz im Flugzeug hatte ich mir schon bei der Buchung ausgesucht, nun forderte mich der freundliche Mitarbeiter am Schalter nur noch dazu auf, mein mitgebrachtes Feuerzeug aus dem Koffer zu entfernen. Bitte was? Wusstet ihr, dass man ein Feuerzeug am Mann mit sich führen darf, im Koffer aber nicht? Für mich war das neu. Normalerweise habe ich kein Feuerzeug in meinem Gepäck, doch da es auf der Packliste stand, hatte ich eines eingepackt. Habt ihr schon mal ein loses Feuerzeug in einem prall gefüllten Koffer gesucht? Nein? Ich schon und ich sage euch: eine Nadel im Heuhaufen ist ein Witz dagegen! Aber schön, einige Minuten später hatte ich das Feuerzeug gefunden, den Koffer wieder sicher verschlossen und mich wieder zum Schalter begeben. Während ich auf meinen Boarding-Pass wartete, kam ich mit einer Mitreisenden ins Gespräch. Sie lebte in Namibia und hatte ihre Tochter in Deutschland besucht. Mit einer Selbstverständlichkeit sprach sie mich an, wollte wissen, ob ich das erste Mal nach Afrika flog und wo ich meinen Urlaub verbrachte. Erst empfand ich ihre Neugier als etwas unangenehm, schließlich ist es hier eher unüblich, dass man sich mit Fremden in einer Warteschlange unterhält, doch dann kamen wir ein bisschen ins Plaudern. Wir wünschten uns gegenseitig einen guten Flug, als ich, bewaffnet mit meinem Boarding-Pass die Sicherheitskontrolle ansteuerte. Meinen Bruder drückte ich zum Abschied und dann war ich wirklich allein. Nervös ließ ich die vollautomatische Einreise über mich ergehen. Obwohl ich mich bei der elektronischen Passkontrolle echt dusselig anstellte, gelang mir auch dieser Schritt. Dann musste ich mich das erste Mal in einen "Nacktscanner" stellen. Arme hoch und geradeaus gucken. Aye aye! Die Wege auf dem Frankfurter Flughafen sind lang, doch irgendwann saß ich am richtigen Gate. Das war der Moment, in dem mir zum ersten (und letzten) Mal ernsthafte Zweifel kamen. Anka, was machst du denn da? Bist du völlig verrückt geworden? Du fliegst nach Afrika, ganz allein. In ein Land, das dir völlig fremd ist, in dem du niemanden kennst und willst 2 Wochen im Busch übernachten? Du? Anka, die sich vor Kriechtieren ekelt und nie ungeschminkt aus dem Haus geht? Um mich abzulenken studierte ich meine Mitreisenden. Eine Gruppe junger Leute unterhielt sich lautstark über Harnas. Also auch Volontäre. Mein Unwohlsein schwoll an. Sie wirkten alle so losgelöst, locker und fröhlich. In meinen Augen sahen sie aus wie Abenteurer, mutig und frei von Berührungsängsten. Ich realisierte, dass ich in ein ähnliches Abenteuer aufbrach und konnte nur noch eines tun - ich griff zum Buch. Ablenkung war das Einzige, das mich jetzt noch davon abhalten konnte, den Flughafen nicht doch noch über den Notausgang zu verlassen.

"Ich heb' ab, nichts hält mich am Boden..."
Tatsächlich gelang es mir, mich zu beruhigen und für kurze Zeit zwischen den Buchseiten Zuflucht zu finden. Als der Boarding-Aufruf ertönte, wartete ich seelenruhig, bis meine Sitzreihe aufgerufen wurde und schlenderte (mehr oder weniger) entspannt ins Flugzeug. Noch vor dem Abflug hatte ich das Unterhaltungsprogramm inspiziert und freute mich über die abwechslungsreiche Filmauswahl. "Der Marsianer" hatte ich im Kino verpasst, nun konnte ich mir den Film über den Wolken ansehen. Doch erstmal wurde ich in meinen Sitz zurückgedrückt und verließ den deutschen Boden. Kaum hatten wir die angepeilte Flughöhe erreicht, begann schon der Getränkeservice. Da ich ,fest überzeugt, davon ausging, die Nacht über schlafen zu können, entschied ich mich gegen eine Cola und für ein Wasser. Kurz darauf bekam ich direkt mein Dinner serviert. Bei der Flugbuchung konnte ich angeben, dass ich Vegetarierin bin und so erhielt ich mein Abendessen vor allen anderen. Tortellini mit Käsesoße, Krautsalat, ein Brötchen und etwas Süßes - alles schmeckte gut, sodass ich mich zufrieden zurücklehnte und, begleitet von "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 2" das Dinner genießen konnte. Natürlich gelang es mir danach nicht, die Augen zu schließen und, einige Stunden später, ausgeschlafen & putzmunter im Landeanflug auf Windhoek wieder aufzuwachen. Die Nacht wurde lang, doch irgendwann griff die Müdigkeit durch und schenkte mir zumindest 1 Stunde Schlaf. Zum Frühstück schaute ich mir die zweite Hälfte von "Der Marsianer" an (nach der ersten war ich eingenickt) und warf immer wieder einen Blick auf die verbleibende Flugzeit. Auf einer Karte konnte man ganz gut mitverfolgen, wo man sich gerade befand. Als wir den Etosha Nationalpark überflogen, machte sich vorfreudiges Kribbeln in mir breit. Gleich hatten wir es geschafft!

Ein kleiner Schritt für die Menschheit...
Wir verloren an Höhe und machten uns für den Landeanflug bereit. Ich hatte zwar keinen Fensterplatz, konnte aber trotzdem, an meiner Sitznachbarin vorbei, den ein oder anderen Blick auf Namibia erhaschen. Doch wo war Windhoek? Keine Stadt weit und breit. Wir landeten mitten im Busch, selbst das Flughafengebäude sah ich erst in letzter Sekunde. Über eine Treppe verließen wir das Flugzeug und standen direkt auf dem Rollfeld. Ich gönnte mir einen Moment, diesen einen Moment, der nur mir gehörte. Der Moment, in dem ich erstmalig namibischen Boden betrat, tief durchatmete und mein Gesicht der strahlenden Morgensonne entgegendrehte. Ein Seufzer entfuhr mir und ich konnte nicht anders, als breit zu grinsen. Im Gänsemarsch liefen wir auf das nahegelegene Flughafengebäude zu. Die Passkontrolle verlief reibungslos und die gefürchteten Fragen blieben aus. Das Touristenvisum hatte ich bereits im Flugzeug ausgefüllt, sodass ich nur noch grinsend meinen Stempel im Reisepass in Empfang nehmen musste. Während der Wartezeit schaute ich mich immer wieder nach meinem Mitreisenden um. Arndt hätte im selben Flugzeug sitzen müssen. Da ich ansonsten überhaupt nichts über ihn wusste, konnte jeder der Männer hier mein Reisepartner für die kommenden zwei Wochen sein. Schräg vor mir stand ein etwas unheimlicher Kerl und mich beschlich ein mulmiges Gefühl. War das etwa Arndt? Bitte nicht... Schnell ging es zur Gepäckausgabe, wo mein Koffer bereits seine Runden drehte. Nun trennte mich nur noch eine Milchglasscheibe vor meinem Abenteuer Afrika!


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Beitragsübersicht "Lebe deinen Traum - Namibia 2016"
Alle Namibia-Videos auf einen Blick findet ihr HIER!

Quellenangabe Foto "Blick aus Flugzeug": prspics / Piqza.de

Kommentare:

  1. Liebe Anka,

    nachdem ich gestern noch dein Snapchatvideo gesehen habe, war ich sehr auf deinen ersten Reisebericht gespannt. Wollte ihn zumindest "kurz" überfliegen und mich dann wieder meiner Migräne ergeben.
    Mit deinem Bericht hast du es aber geschafft, dass ich jedes Wort lesen musste und mich auch zu diesen Zeilen überreden..

    Herzensprojekt. Dieses eine Wort welches in jedem Satz von dir bei mir, als Leserin, ankommt. Wie ein Kurzfilm lief dein Tag, dein Flug und deine Ankunft vor meinem Auge ab.

    Und nun bange ich bis zum nächsten Teil: Ist es wirklich der unheimliche Kerl??? Lass dir nicht zuviel Zeit *hihi* Ein Cliffhanger in einem Reisebericht, das kann auch nur Anka bringen :D

    Herzliche Grüße
    Eva

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  2. Wow, was für ein tolles Abenteuer. Namibia steht auch ganz weit oben auf meiner Reiseliste. Und mir erging es ähnlich wie dir: 2010 3 Monate in Südafrika. Und seitdem unheimlich Fernweh nach diesem tollen Kontinent. Ich bin so gespannt, wie dein Bericht weitergeht! Spann uns nicht zu lange auf die Folter! ;)

    LG Cat

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  3. Hui, das klingt alles so aufregend. Wahrscheinlich durchlebst du beim Schreiben deiner Erlebnisse deine komplette Reise noch mal emotional so richtig! Ich freu mich auf die Fortsetzung!

    Ganz liebe Grüße
    Karin

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  4. Liebe Anka,

    ein toller Reisebericht von deinem großen Abenteuer. Ich hätte nie den Mut, so eine Unternehmung allein zu machen und bewundere dich dafür. Es ist wichtig seine Träume im Leben zu verfolgen und sie umzusetzen. Toll, dass du diesen Weg gegangen bist! Ich bin auf die nächsten Berichte gespannt :-)

    Liebe Grüße,
    Diana

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