Montag, 1. Mai 2017

Autopanne im afrikanischen Busch | 17.01.2017 | Namibia Diary 2017

< ---- 16.01.2017 - Nachts im afrikanischen Busch

Dienstag, der 17. Januar 2017
Okutala Etosha Lodge
Es dämmert, als ich nach einer gefühlt sehr kurzen Nacht aufwache. Ich schaue mich um und muss schmunzeln, als ich, nah an unserer Feuerstelle, zwei Hasen hoppeln sehe. Die Mädels schlafen noch, sodass ich mich leise aus meinem klammen Schlafsack schäle. Das Trampolin, die Rucksäcke – alles ist feucht. Ob es heute Nacht doch noch ein bisschen getröpfelt hat oder ist das der Morgentau? In meinen Pulli gekuschelt setze ich mich auf die Veranda mit Blick aufs Wasserloch und beobachte eine kleine Gruppe Gnus mit ihrem Nachwuchs.
Guten Morgen Namibia, guten Morgen Okutala!

Ich bin ziemlich müde, aber noch eine Runde schlafen möchte ich trotzdem nicht. Also döse ich bloß ein bisschen und schrecke kurze Zeit später auf, als ich es ganz in der Nähe rascheln höre. Ich verhalte mich ganz ruhig, versuche nur flach zu atmen und staune schließlich nicht schlecht, als plötzlich, direkt seitlich der Veranda, ein gehörnter Kopf auftaucht. Bisher hatte ich die so genannten „Hartebeest“ (Kuhantilopen) nur in der Ferne gesehen. Sie sind relativ scheu und meist in größeren Herden unterwegs. Dieser Kerl steht nur wenige Meter neben mir und ich bin überrascht, wie groß er ist. Ziemlich blöd guckt er aus der Wäsche, als er mich erblickt und sofort innehält. Jetzt bloß nicht atmen, denke ich. Eine gefühlte Ewigkeit starren wir uns an, bis das Tier zu dem Entschluss kommt, dass ich ungefährlich bin und zum Wasserloch weiterläuft. Ich will gerade ausatmen, als weitere Hartebeest um die Ecke kommen. Auch hier ist Nachwuchs dabei. Die kleinen Antilopenbabys sind etwas flotter unterwegs und springen durch die Gegend wie junge Rehkitze. Ein herrlicher und zuckersüßer Anblick.

Okutala Etosha Lodge

So langsam tut sich etwas auf dem Trampolin. Die Mädels sind wach und auch Mathew rollt schon seinen Schlafsack zusammen. Also schließe ich mich an und packe meine sieben Sachen zusammen. Wirklich gesprächig sind wir heute Morgen noch nicht. Die Nacht steckt uns in den Knochen.

Als wir alles auf den Gameviewer geladen haben, erwartet uns eine unschöne Überraschung. Diffi (so wurde der Wagen liebevoll getauft, da er immer mal wieder Schwierigkeiten macht) springt nicht an. Da hilft alles ruckeln, zuckeln und fluchen nicht. Mathew versucht Josua zu erreichen, der zehn Minuten später angerauscht kommt. Sein breites und lautes Lachen ist wie immer ansteckend – nicht nur für uns, sondern auch für Diffi. Zusammen kriegen sie den stotternden Kerl tatsächlich zum Laufen. Ich setze mich heute ausnahmsweise auf den Beifahrersitz und bemerke erst, als wir bereits unterwegs sind, dass Diffi gar keine Windschutzscheibe hat. Africa at its best! Der Fahrtwind lässt uns bibbern und wir versuchen noch tiefer in unsere Jacken und Pullis zu kriechen. Angekommen auf der Lodge machen wir uns schnell frisch und anschließend über das leckere Frühstück her. Heute gibt es sogar Pancakes!

Okutala Etosha Lodge

Nach dem Frühstück starten wir in unsere gewohnte Fütterungsrunde. Ich darf wieder meinen kleinen Giraffen, den Pferden, Straußen und Nashörnern einen Besuch abstatten und genieße diese morgendliche Tour über die Farm in vollsten Zügen. Als wir fertig sind, steht die Sonne bereits hoch am Himmel und wir freuen uns auf die heutige „Activity“. Zusammen mit Josua und Jacob sollen wir über die Farm fahren und Salzlecksteine verteilen. Klingt im ersten Moment nach einem tollen Game Drive, bei dem wir uns den Fahrtwind um die Nase wehen lassen können. Als wir mit dem Pick-up am Hangar halten, staunen wir nicht schlecht, als wir die Salzlecksteine sehen. 15 Kolosse à 50 Kilo sowie 3 volle Säcke wuchten Jacob und Josua auf die Ladefläche. Wir Mädels versuchen ihnen so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen und keinen der Brocken auf die Füße zu kriegen. Schließlich ist die Ladefläche voll und wir versuchen, zwischen, neben und auf ihnen einen möglichst bequemen Platz zu finden. Los geht die wilde Fahrt – im wahrsten Sinne des Wortes. Josua jagt den Pick-up über Stock und Stein und das in einem Affenzahn. Die ersten 15 Minuten genießen wir den wilden Ritt, doch schon bald müssen wir feststellen, dass die Fahrt anstrengender und unbequemer ist als gedacht. Zudem machen mir meine tränenden und brennenden Augen erneut Probleme. Der Fahrtwind tut sein Übriges dazu, dass ich die Tour über die Farm nicht wirklich genießen kann. 

Okutala Etosha Lodge

Angekommen am ersten Wasserloch helfen wir dabei, zwei Salzlecksteine „über Bord" zu werfen. 50 Kilo Salz am Stück sind nicht nur schwer, sondern auch ziemlich unhandlich und ausgestattet mit scharfen Kanten. So klappern wir Wasserloch um Wasserloch ab, während die Sonne auf uns herunterbrennt. Eine gefühlte Ewigkeit sind wir unterwegs. Dass nicht nur die Steine schwer sind, sondern auch die Säcke, bekomme ich am eigenen Fuß zu spüren, als Fiona versehentlich einen fallen lässt. Er kracht gegen mein Schienbein und bleibt auf meinem Fuß liegen. Autsch! Glücklicherweise bleibt bloß ein blauer Fleck zurück. Je mehr Steine wir loswerden, desto unbequemer wird es auf der Ladefläche. Ihr merkt – heute haben wir nicht gut geschlafen und sind dementsprechend jammerich. Zwei Stunden sind wir unterwegs, als endlich der letzte Block fällt. Höchste Zeit um zur Lodge zurückzukehren, wo bereits mit dem Lunch auf uns gewartet wird, doch wir haben die Rechnung ohne Josua und seinen flotten Fahrstil gemacht. Ein Holpern, ein Zischen und Zack müssen wir anhalten. Unser Pick-up hat einen Platten – mitten in der Pampa! Lachend steigen wir ab, suchen unter einem Baum ein bisschen Sonnenschutz und beobachten die Männer dabei, wie sie sich am Fahrzeug zu schaffen machen. So ein Reifenwechsel ist normalerweise kein Problem, in unserem Fall jedoch schon, denn der Wagenheber ist kaputt! Auch das noch! Jacob schleppt große Steine herbei, und mit Mühe und Not wird das Auto provisorisch angehoben. Gut, dass wir einen Ersatzreifen dabei haben. Eine halbe Stunde später ist dieser montiert und wir setzen unsere Fahrt fort. Als wir an der Lodge ankommen, fühlen wir uns so abgekämpft, wie nach dem Elephant-Cleaning. Niemals hätte ich gedacht, dass eine Farm-Rundfahrt so anstrengend sein kann. Obwohl wir uns gut eingecremt hatten, hat die Sonne ihre Spuren hinterlassen. Fiona hat es am heftigsten erwischt. Apropos Sonnencreme… könnte ich vielleicht auf meine Sonnencreme allergisch reagieren? Der Idee wollen wir auf jeden Fall nachgehen, doch nicht jetzt. Jetzt gibt es erstmal eine große Portion Omelett und Salat.

Obwohl wir uns nur noch nach einer kalten Dusche und einer Mütze Schlaf sehnen, geht es nach dem Mittag noch nicht zurück in den Bungalow, denn heute soll unser Patient der Milan entlassen werden. Nach der Taube wird es unser zweiter Release sein, bei dem wir dabei sein dürfen. Caleb möchte diesen besonderen Moment mit seiner Kamera festhalten. Also machen wir uns auf den Weg zur Small Aviary, in der der große Vogel Quartier bezogen hatte. Er kam als verletztes Tier nach Okutala. Gäste hatten ihn am Straßenrand aufgelesen, nachdem er von einem Auto erfasst worden war. Doc Simone hat ihn untersucht, aufgepäppelt und nun beschlossen, dass er fit genug ist, um entlassen zu werden. Der Release eines Vogels sollte sehr schnell gehen – Tür auf und Vogel fliegt raus… denken wir. Natürlich kommt alles ganz anders. Nachdem Simone vor der Kamera ihr Statement abgegeben hat, öffnet sie die Tür der Voliere. Ziemlich unbeeindruckt blickt der schöne Raubvogel von seinem Ast auf sie herab. „Warum denn gehen? Hier auf Okutala ist es doch so schön“, scheint er zu denken, denn er bewegt sich keinen Millimeter. Die Kamera läuft und läuft, Caleb wird ungeduldig und auch wir können nicht mehr stillstehen. Der Milan soll natürlich nicht verscheucht werden, er soll von sich aus entscheiden, wann es Zeit ist zu gehen. Als sich nach zehn Minuten noch immer nichts getan hat, betritt Simone die Voliere und stupst den Vogel vorsichtig mit einem Ast an. Auch das scheint ihn nicht zu interessieren. Wobei… doch… jetzt… was macht er denn jetzt? Kurzerhand setzt er sich auf den Ast, den Simone noch immer in der Hand hält. Der Raubvogel lässt sich sogar von ihr aus der Voliere heraustragen und in der Astgabel eines Baumes absetzen. Auf der einen Seite ist es toll, welch schöne Nah-Aufnahmen Caleb nun von dem Tier machen kann, auf der anderen Seite wollen wir ihn alle fliegen sehen. Der ganze Rummel um ihn scheint ihn überhaupt nicht zu stören. Selbst als wir uns nähern und direkt neben ihm stehen, fliegt er nicht davon. Caleb rauft sich die Haare und wirft immer wieder einen Blick auf den ihm noch verbleibenden Speicherplatz seiner Kamera. Insgesamt eine halbe Stunde müssen wir uns gedulden, bis sich der Milan plötzlich abstößt und davonfliegt. Nicht unbedingt spektakulär und doch ein schöner und sogar ein bisschen bewegender Moment! Alles Gute, gefiederter Freund!



Fortsetzung folgt… am nächsten Freitag!
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Mein Namibia Diary 2017:

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1 Kommentar:

  1. Hey Anka,
    jetzt habe ich mir die letzten Namibia Beiträge durchgelesen.
    Du hast wirklich viel erlebt und ich konnte mir die Szenerien bildlich vorstellen.
    Ein Verwandter von mir hat auch mal einen verletzten Vogel gefunden und daheim aufgepäppelt. Allerdings ist er nach der wiedergewonnenen Freiheit gestorben, weil er wohl gegen ein Fenster geflogen ist. Das war dann ziemlich deprimierend.
    Zum Glück ist bei euch alles gut gegangen
    viele Grüße und bis zum nächsten Diary Eintrag :-)
    Emma

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